Sport spricht alle Sprachen

Als ich das kleine Tor öffne und das Gelände des Post-Sportvereins in Bonn betrete, fühle ich mich beinahe heimisch: Die Geschäftsstelle sowie die Tennisplätze des Vereins liegen idyllisch zwischen Wohnhäusern in Bonn-Plittersdorf; Katja Brender, Hekmat Mamo und Benedikt Schmidt-Horster begrüßen uns und schnell entwickelt sich ein Gespräch über Kulturen und Sprachen, Ängste und Integration sowie die Bedeutung von Sport.

Katja Brender studiert Sportmanagment in Remagen und ist zudem für die Organisation der Integrationsarbeit beim Post-Sportverein zuständig. Die vielfältigen Angebote des Vereins für Flüchtlinge reichen von Schwimmkursen für Migrantinnen über Boxtraining bis zu Fußball am Wochenende. Außerdem sollen Kinder mit Migrationshintergrund in die regulären Aktivitäten des Vereins eingebunden werden. Für Katja bedeutet das einen ziemlichen Arbeitsaufwand, doch man merkt ihr im Gespräch an, wieviel Spaß ihr die Arbeit zu machen scheint.

Hekmat Mamo erzählt uns von seiner Flucht aus Aleppo in Syrien über die Türkei, Griechenland und Dänemark, um letztendlich in Deutschland zu landen. Hier macht er gemeinsam mit Benedikt einen Bundesfreiwilligendienst beim Post-Sportverein. Benedikt und Hekmat erklären uns, wie sie sich gegenseitig ergänzen: Während Benedikt als Deutscher bei Büroarbeiten  oder Telefonaten wegen der Sprache oft im Vorteil ist, hilft Hekmat bei verschiedenen Sportkursen als Dolmetscher. Weil er ihre  Herkunft teilt und ihre Sprache spricht, findet er oft schneller und leichter Zugang zu den Flüchtlingen. Der junge Mann ist dem Verein eine große Hilfe bei den Integrationsprojekten. Sitzt man den Dreien gegenüber, merkt man schnell, dass sie nicht nur Kollegen sind, und dass gegenseitige Unterstützung nicht nur in eine Richtung verläuft. „Sie hilft mir und ich helfe ihr“, sagt Hekmat und schickt ein Lächeln in Katjas Richtung.

Sportkurse sind ein buntes Miteinander, ohne Vorurteile oder Grenzen

Die größten Schwierigkeiten, denen die Übungsleiter während den Kursen begegnen, sind auf die Sprache zurückzuführen: Viele Flüchtlinge, die gerade erst in Deutschland angekommen sind, können sich kaum oder noch gar nicht auf Deutsch ausdrücken. Katja, die neben der anfallenden Verwaltungsarbeit für die Integrationsprogramme des Vereins auch Kurse leitet, erklärt, dass vor allem Erwachsene reserviert seien. Sprachhürden: Auch in unserem Gespräch tauchen sie auf. Mit Deutsch, Arabisch und Hebräisch als Muttersprachen, sowie mit Englisch als Gesprächssprache, die alle am Tisch als Zweit- oder sogar Drittsprache sprechen, ist es deutlich schwieriger, alles auf Anhieb zu übersetzen, als bei einer Unterhaltung in nur einer fremden Sprache. Anders sei das bei Kindern, sagt Katja: „Sie haben keine Hemmschwelle, eine neue Sprache zu benutzen und mit Worten zu experimentieren.“ Sportkurse beim Post-Sportverein sind ein buntes Miteinander, ohne Vorurteile oder Grenzen. Sport spricht alle Sprachen.

Wegen der einzigartigen Arbeit, die der Verein für die Integration von Migranten leistet, ist er anerkannter Stützpunktverein des Projekts „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes und erhält finanzielle Unterstützung, um beispielsweise kostenlose Sportkurse für Flüchtlinge anbieten zu können. Katja erklärt uns, dass auch die Stadt Bonn sehr willig sei, Sportanlagen für Kurse bereitzustellen, um Migranten zu helfen.

Postsportverein

Als ich das kleine Tor auf dem Weg zurück wieder schließe, habe ich beinahe das Gefühl, Katja, Hekmat und Benedikt schon lange zu kennen. Da fällt es mir nicht schwer zu glauben, dass es ihnen gelingt, viele junge Menschen aus verschiedenen Ländern für den Sport im Verein zu begeistern.

Text & Foto: Felina Lottner

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