SPINXX – KÖLN: Kulturjournalismus als Gemeinschaftsprojekt

Viel wird über Teilhabe gesprochen in unseren Gesellschaft rezipierenden Medien. Dabei geht  es um  alle möglichen Bereiche der Teilhabe für alle möglichen Leute, die – politisch ungewollt oder gewollt – mal mehr, mal weniger im Fokus der vorübergehenden Öffentlichkeit stehen. Über die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen an was auch immer wird dabei leider chronisch viel zu wenig gedacht. Ein Jugendlicher ist in unserer durch und durch leistungsorientierten Gesellschaft bereits zu Beginn seines zweiten Lebensjahrzehnts vor allem ein Leistungserbringer, anstatt ein im Schutzraum zweckfreier Entwicklung sich selbst erfahren und ausprobieren könnendes Wesen. Gut ist darum, dass es junge Menschen gibt, die sich fernab von jeder diskursiven Lähmung immer wieder Handlungsfelder schnappen, wie sie ihnen in den Schoß fallen. Dafür ist die Idee der SPINXX-Online-Redaktionen ein deutschlandweit wunderbares Beispiel.

Jeden Freitag kommen sie um 17:30 Uhr zusammen. Es sind über 10 Mädchen und drei Jungs, die sich regelmäßig in den vom Kölner jfc Medienzentrum zur Verfügung gestellten Räumen zur „Redaktionssitzung“ am Hansaring treffen. Alle eint, für die Kölner Redaktion des Jugend-Online-Magazins SPINXX zu schreiben.

13 Redaktionen über ganz Deutschland verteilt, dazu zwei  Schulredaktionen und –  das ist vielleicht das Unerwartete –  sechs Festivalredaktionen bilden einen breiten Stamm für die gelebte SPINXX-Idee.

IMG_4313In Köln wird SPINXX u.a. geleitet von  Mara Theobald, einer 22 jährigen Lehramts-Studentin, die immerhin einen über einen rein symbolischen Wert hinaus reichenden Obulus für ihre Tätigkeit einstreichen darf. Die 12- bis 18 jährigen Jugendlichen haben regelmäßig viel Spaß mit ihr und untereinander, das ist augenscheinlich und wirkt wenig inszeniert, wiewohl uns während unseres Besuchs eine Inszenierung, ein Rollenspiel einer typischen Redaktionssitzung geboten wird. Da geht es mitunter etwas laut her, aber die Lautstärke ist wesentlicher Bestandteil des Spaßes, der hier zum Standard gehört. Es wird viel geredet und gelacht.
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An ihren Rechnern sitzen die Kids und hämmern in die Tasten, was das Zeug hält. Kurze Besprechungen und Kritiken über Filme, Bücher, Serien, Animes und Games entstehen so in gemeinschaftlicher Arbeit. Dabei werden dem Schreibprozess vorausgehende Diskussionen weitgehend unterlassen: Rezensiert wird was gefällt.

Mara ist seit 9 Jahren dabei, war also bereits mit 13 Jung-Redakteurin in der Kölner Redaktion. Sie erläutert das Konzept: SPINXX ist mehr als eine Mitmach-Redaktion, die lediglich die Lieblings-Bücher oder Filme der Autoren zum Inhalt macht. Regelmäßig stattfindende „Kritikergipfel“ beackern solche Workshop-Themen wie „Auf den Spuren einer Vloggerin“ oder beantworten Fragen nach den Produktionsmodi eigener Nachrichten-Sendungen („News Show“). Festival-Redaktionen kümmern sich um hochkulturelle  Angelegenheiten wie die Oberhausener Kurzfilmtage. Darüber hinaus ist das Konzept virulent: SPINXX ruft ständig dazu auf, fest verankerte Schul- oder temporäre Festival-Redaktionen zu gründen.

Ob auch die Kölner Redaktion grundsätzlich offen sei für Neuzugänge, wollen wir am Ende wissen. Aber klar, antwortet Mara. Wer also Lust hat unmittelbar einzusteigen bei SPINXX, der kann über die Gastkritik-Funktion der Seite sofort loslegen oder aber – besser noch – einfach einmal an einem Freitag vorbei schauen bei Mara und ihrem Redaktions-Team.

Text:  Andreas Richartz
Fotos: Kseniya Schasnaya

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